Was machen eigentlich die Bäume gerade ?
Dela
Wenn man im Moment durch die Landschaft läuft, könnte man meinen: Da tut sich noch nicht viel. Vielleicht stehen die Bäume noch kahl da, vielleicht sind sie schon zartgrün angehaucht. Aber ganz egal, wie sie aussehen – in ihnen drin ist gerade richtig was los.
Denn jetzt ist die Zeit der Knospen. Diese kleinen, unscheinbaren Punkte an den Zweigen, an denen man oft achtlos vorbeischaut. Dabei sind sie kleine Wunderwerke. In ihnen steckt bereits das komplette Programm für das kommende Jahr: Blätter, manchmal Blüten, manchmal sogar schon die nächsten Triebe. Alles fertig angelegt. Alles bereit. Sie warten nur noch auf das richtige Signal – ein paar wärmere Tage, etwas mehr Licht.
Und dann geht es plötzlich schnell. Die Knospen schwellen an, platzen auf, und aus einem scheinbar toten Ast schiebt sich ein frischer, heller Trieb. Zart sieht er aus. Fast zerbrechlich. Aber in Wahrheit steckt darin eine enorme Kraft. Der Baum pumpt Wasser aus dem Boden nach oben, transportiert Nährstoffe, aktiviert seine Reserven. Das ist Hochbetrieb im Inneren – auch wenn wir außen nur ein bisschen Grün sehen.
Was viele vergessen: Ein Baum schläft im Winter nicht einfach nur. Er fährt herunter, spart Energie, schützt sich. Und sobald die Tage länger werden, startet er neu. Jahr für Jahr. Ohne Drama. Ohne Eile. Einfach im richtigen Moment.
Vielleicht ist genau das das Beeindruckende: Während wir Menschen oft glauben, alles müsse sofort passieren, nehmen sich Bäume ihre Zeit. Sie treiben aus, wenn die Bedingungen stimmen. Nicht früher, nicht später. Und wenn man genau hinschaut, sieht man es überall – dieses leise, stetige Zurückkommen des Lebens.
Also, wenn du das nächste Mal an einem Baum vorbeigehst: Schau dir die Knospen an. Diese kleinen Versprechen am Zweig. Da passiert gerade Zukunft. Ganz still. Ganz selbstverständlich.